Lieber sfd,
Der erste Monat in Frankreich ist um und ich habe mich schon die letzten Tage gewundert, wie schnell die Zeit eigentlich vergeht.
Seit dem 1. September lebe und arbeite ich nun also in der Jugendherberge von Saint Brieuc, einer Stadt mit ca. 50.000 Einwohnern. Saint Brieuc liegt direkt am Meer und besitzt einen mittelalterlichen Stadtkern, in dem sich ein paar ansprechende Kneipen befinden. Insgesamt würde ich das Leben hier aber eher als ruhig bezeichnen.
Die Jugendherberge selbst liegt leider weder im Stadtkern, noch am Meer, sondern eher etwas ausserhalb, in der Nähe eines Neubauviertels. Mit dem Rad, das ich hier kostenlos nutzen kann, ist aber beides in 10-15 Minuten zu erreichen. Wir hatten hier die letzten 20 Tage eigentlich durchgängig blauen Himmel und Sonnenschein und so nutze ich viele meiner freien Tage, um mit dem Rad und zu Fuß die Strände in der Nähe zu erkunden. Im Normalfall ist es auch kein Problem das Herbergsauto zu nutzen, allerdings machte ich hiervon wegen des guten Wetters erst einmal Gebrauch. Die Herberge sieht für meinen Geschmack ziemlich cool aus. Das Hauptgebäude ist aus dem 15. Jahrhundert und ich finde es toll in dem Innenhof eines so alten Gebäudes die Sonne zu genießen. Des Weiteren verfügt die Herberge noch über ein 2. Gebäude, in dem die meisten Gäste untergebracht werden und einen Garten der gleichzeitig auch Camping- und Minigolfplatz ist.
Meine Mitarbeiter bestehen aus einem 2. deutschen FSJler, Lenard, mit dem ich mir auch ein Zimmer teile. Dann gibt es natürlich noch Gwendal Guery, unseren Chef. Er ist erst 32 Jahre alt und super nett. Er ist sehr zuvorkommend und gibt sich wirklich Mühe, unseren Aufenthalt hier möglichst angenehm zu gestalten. Wir essen häufig gemeinsam zu Abend und haben dabei viele gute Gespräche. Des Weiteren gibt es noch Marcel, den Chefkoch und Yann seinen Gehilfen. Die Herberge verfügt auch über ein Restaurant für Gruppen, die einen der 3 Tagungsräume nutzen und so kochen die Beiden jeden Mittag Essen, das weit über dem von mir vermutetem Jugendherbergsniveau liegt. Für die Bereiche Ménage, petit déjeuner und service en salle sind Stéphanie, Nathalie und Anne-Marie zuständig. Vor allem Anne-Marie kümmert sich sehr gut um uns, auch außerhalb ihrer Arbeitszeit. Sie blieb länger oder kam extra abends in die Herberge um für uns typisch bretonisch zu kochen und so aß ich dank ihr meine ersten Galettes und Crêpes in Frankreich. Unser Hausmeister heißt Patrick, der nicht nur sehr hilfsbereit ist, sondern auch fast immer einen lustigen Spruch auf den Lippen hat. Vor 2 Wochen ist dann noch Numa, ein neuer Mitarbeiter für die Bereiche service en salle und accueil zu uns gestoßen. Ich schätze ihn auch auf unter 30 und auch mit ihm verstand ich mich sofort gut. Da ich nur 3 Jahre Französisch in der Schule hatte, fehlen mir häufig Vokabeln und gerade in der ersten Woche musste ich sehr oft darum bitten, das gerade Gesagte noch einmal zu wiederholen. Keiner meiner Kollegen wirkte aber davon genervt, sondern erklärte es mir noch einmal mit anderen Worten. Ihr seht also, dass ich mit den Menschen, mit denen ich fast täglich in Kontakt stehe, ein wirklich gutes Los gezogen habe.
Laut Dienstvertrag habe ich hier die normale französische 35-Stunden Woche, aber bisher musste ich noch keine Woche mehr als 30 Stunden arbeiten. Pro Woche habe ich 2 Tage frei, die aber nicht wie bisher Samstag und Sonntag sind. Es ist schon seltsam, wenn man sich nicht mehr auf das Wochenende freuen kann, sondern auf einmal Montag und Dienstag oder Montag und Freitag frei hat. Wenn ich mit Gwendal rede ist es eigentlich kein Problem 2 zusammenhängende Tage freizubekommen. Das ist meiner Meinung nach angenehmer, da ich so kleine Reisen in die Umliegenden Städte erkunden kann. Er legt meinen Arbeitsplan dann sogar so, dass ich z.B. von Sonntag 12 Uhr bis Mittwoch 18 Uhr frei habe, was es mir ermöglicht, sogar 3 Nächte unterwegs zu sein. Zu meinen Aufgaben hier zählen: das Frühstück vorbereiten, Zimmer der Gäste putzen, kellnern und an der Rezeption sitzen. Was genau ich in den einzelnen Bereichen machen muss, schreib ich euch im nächsten Bericht.
Ich bin in einem normalen Herbergszimmer untergebracht, dass ich mir mit meinem Mitfreiwilligen teile. Das Zimmer ist meiner Meinung nach ausreichend groß und verfügt dank Gwendal auch über 2 Schreibtische, TV und DVD-Player, allerdings können wir bisher noch kein französisches Fernsehprogramm schauen, da der Empfang zu schlecht ist, aber Gwendal sagte mir gestern Abend, dass er eine neue Antenne besorgt hat. Mich stört allerdings, dass wir keine eigene Dusche und Toilette haben.
Bevor ich euch noch etwas über meine persönliche Situation erzähle fahre ich erstmal zur Turnhalle, um am Volleyballtraining teilzunehmen.
So, ich bin zurück und will mal mit der Sprache anfangen. Ich hatte ja oben schon einmal erwähnt, dass ich mit einigen Sprachproblemen hier ankam. Meiner Meinung nach hat sich das aber schon stark verbessert. Alle Leute die merken, dass ich neu in Frankreich bin, nehmen Rücksicht auf mich und so habe ich doch ab und zu fast ein richtiges Gespräch. Auch Telefonanrufe kann ich mittlerweile schon beantworteten, wenn ich auch ab und zu nachfragen muss und selten sage, dass es besser sei, wenn sie noch mal zurückrufen, um den Chef zu erreichen. Aber auch das wird sich noch ändern. Dadurch dass Lenard und ich fast immer zusammen arbeiten, rede ich leider weniger Französisch, als ich mir das vorher erhofft hatte und bin mir auch sicher, dass sich die Sprache sonst noch schneller entwickelt hätte. An Gesprächen zwischen Franzosen, zum Beispiel beim gemeinsamen Mittagessen, kann ich leider noch nicht richtig teilnehmen. Die Redegeschwindigkeit und die Worte, die mir an einigen Stellen fehlen, machen es mir sehr schwer als normaler Gesprächspartner aufzutreten. Da ich aber fast jeden Tag Vokabeln lerne, wird sich das hoffentlich auch in näherer Zukunft erledigt haben.
Ich habe mich in diesem Bericht versucht an die Vorgaben zu halten, bei Interesse an „außergewöhnlichen Erlebnissen und Reiseberichten könnt ihr auch gerne auf meiner Homepage schauen: www.lennart-st-brieuc.jimdo.com Dort warten auch noch einige Fotos auf euch.