Es ist nun bereits ein ganzer Monat vergangen, seitdem ich mein FSJ in der Auberge de Jeunesse de Saintes begonnen habe. Wenn ich auf das bisher Erlebte und auf die Erfahrungen, die ich waehrend dieses einen Monats gemacht habe, zurueckblicke, kann ich resuemieren, dass ich einen sehr guten Start hier in Saintes hatte!
Um Euch detaillierte Einblicke in meine erste Zeit hier in der Auberge de Jeunesse zu geben, fange ich am besten von vorne an:
Am 31.08.08 bin ich frueh morgens mit dem Zug aufgebrochen und bin, nachdem ich in Paris um ein Haar den Anschlusszug verpasst haette, in Saintes angekommen. Es waere besser zu sagen, „wir“ sind angekommen, weil ich im Anschlusszug meinen deutschen Kollegen Jules getroffen habe. Wir sind dann gegen 18 Uhr in Saintes angekommen und wurden dort von unserer Vorgesetzten Alice abgeholt. In der Auberge angekommen, gab es fuer uns erstmal etwas zu essen und wir wurden dem Direktor vorgestellt. Anschliessend wurde uns unsere Bleibe fuer die naechsten 12 Monate gezeigt. Wir sind in einem kleinen Zimmer in einem Seitenfluegel der Jugendherberge unterbracht. Dort haben wir TV, Internetanschluss und ein kleines Bad mit Dusche und WC zu unserer Verfuegung.
Am naechsten Tag musste ich direkt um 7 Uhr zum Arbeiten antreten, Jules hat sein FSJ mit zwei Repos-Tagen begonnen. Ich kuemmerte mich den ganzen Vormittag gemeinam mit dem Chef und Gilles, einem anderen Mitarbeiter, um das Fruehstueck und um die Arbeiten, die in der Kueche zu verrichten waren, sprich Abwasch, kochen und putzen. Ausserdem machte ich die Bekannschaft der beiden Reinigungskraefte Estelle und Céline.
Nachtmittags haben Jules und ich die erste Entdeckungstour in unserer neuen Heimat gestartet. Saintes ist ein nettes kleines Staedtchen mit kleinen, verwinkelten Gassen und vielen Gebaeuden aus gallo-romanischer Zeit. Es gibt mehrere grosse Kirchen, einen Triumphbogen und ein Amphitheater, die viele Touristen anlocken. Trotzdem ist Saintes eine kleine Stadt, die fuer Jugendliche nicht besonders viel bietet, eine typische franzoesische Kleinstadt halt.
Den Rest der Woche verbrachte ich an der Rezeption und Alice brachte mir quasi alles bei, was man als Rezeptionist koennen muss: Die Bedienung des Reservierungsprogramms, den Umgang mit der Kasse, die Registrierung der Post, das Ein- und Auschecken von Gaesten, das Erstellen des Putzplans und – ganz wichtig – den Umgang mit den Statistiken. Man muss hier sehr genau die verkauften Mahlzeiten und Fruehstuecke protokollieren, weil die FUAJ, der Dachverband der Jugendherbergen in Frankreich, aus irgendeinem, fuer mich sehr unverstaendlichen Grund, genaue Statistiken darueber verlangt. Ich dachte bisher, dass Deutschland in Sachen Buerokratie einen absoluten Spitzenplatz einnimmt, Frankreich steht uns da aber anscheinend in nichts nach.
Generell ist die Aufteilung waehrend des ersten Monats so gewesen, dass ich ich an der Rezeption arbeiten musste und Jules fuer die Kueche zustaendig war.
Die Arbeit laeuft schon sehr gut und wir koennen beide in unseren Zustaendigkeitsbereichen viel Verantwortung uebernehmen und auch mit der Sprache kommen wir gut klar.
Abseits der Arbeit haben wir uns auch gut eingelebt. Wir machen viel Sport gemeinsam und haben ueber unseren jungen Kollegen Benoit schon einige Leute kennengelernt, mit denen wir uns regelmaessig abends treffen.
Auch mit Jonas, der ja im ca. 20 Minuten entfernten Cognac beschaeftigt ist, haben wir uns schon des oefteren getroffen und uns ueber unsere Erfahrungen ausgetauscht.
Die Region um Saintes, die Poitou-Charentes, haben wir schon ein wenig erkundet. Wir waren in Royan am Atlantik, in Niort und Angoulême, beides Hauptstaedte der benachbarten Départements.
Wir haben uns direkt zu Beginn des Dienstes die Carte 12-25 der SNCF besorgt, die uns ermoeglicht, recht guenstig mit der Bahn zu reisen. Damit bekommen wir immer zwischen 25 und 60 Prozent Nachlass auf den Normalpreis.
Ansonsten ist unser Alltag hier recht gemuetlich, die 30 Wochenarbeitsstunden sind nicht allzu anstrengend und uns bleibt genug Zeit, die wir miteinander verbringen koennen.
Abends kochen wir meistens gemeisam, weil nicht immer etwas fuer uns ueber bleibt bzw. es nur selten mehrere Mittag- oder Abendessen gibt.
Ein Aspekt, den ich hier waehrend des ersten Monats sehr zu schaetzen gelernt habe, ist die Struktur des Klientels der Auberge. Wir haben hier bestimmt 10 Gaeste, die sehr regelmaessig, meist 2-3 Wochen pro Monat hier verbringen, weil sie in Saintes arbeiten oder eine Ausbildung machen. Darunter sind auch viele junge Leute, mit denen wir abends auch abundzu ein wenig plaudern. Ausserdem kommen Menschen vieler unterschiedlicher Nationalitaeten hier zusammen. Spanier kommen haeufig, Briten waren auch schon viele hier und auch einige Deutsche haben wir schon beherbergt. Innerhalb des Personals greifen wir uns immer gegenseitig unter die Arme, wenn es sprachliche Probleme gibt. Alice kuemmert sich immer um die Briten, weil sie Halb-Englaenderin ist, und wir springen ein, wenn es gilt, Deutsche einzuchecken.
Letzte Woche hat sich etwas besonders Kurioses ereignet. Jules und ich waren abends auf unserem Zimmer, da wir nicht arbeiten mussten, und aufeinmal kommt Benoit zu uns hoch und bittet uns, ihm zu helfen, eine Gruppe von Deutschen einzuchecken. Wir sind natuerlich sofort runtergegangen und haben ihnen alles erklaert und gezeigt. Einer von ihnen kam mir sehr bekannt vor, aber ich habe diesen Gedanken sofort als unrealistisch verworfen. Spaeter am Abend sassen wir ein wenig mit ihnen zusammen und es stellte sich heraus, dass einige von ihnen in Marburg, also dort wo ich wohne, studieren! Es war sehr kurios, im kleinen Saintes mit anderen Marburgern ueber das Marburger Nachtleben zu diskutieren.
Insgesamt ist es uns hier bisher sehr gut ergangen. Die Arbeit macht (meistens) Spass und ist gut zu bewaeltigen, kleine sprachliche Probleme lassen sich meist leicht aus der Welt schaffen. Mit unseren Kollegen kommen wir sehr gut klar und auch zum Chef haben wir ein gutes Verhaeltnis.
Auch unsere gesellschaftliche Integration schreitet voran und oeffnet uns viele neue Moeglichkeiten hier in Saintes.
Fuer den kommenden Monat haben wir schon einige Plaene. Wir wollen einen deutschen Stammtisch hier besuchen, der sich monatlich hier trifft, initiiert von der Staedtepartnerschaft mit Xanten in Deutschland. Ausserdem wollen wir uns mal nach Sportvereinen umsehen und wir haben einige Plaene zur Erkundung der umliegenden Gegend. Das hoffentlich anhaltende gute Wetter eroeffnet uns die Moeglichkeit, die umliegenden Orte mit dem Fahrrad zu erkunden. (Achja; das hatte ich vergessen zu erwaehnen: Der Chef hat extra fuer uns beide Fahrraeder angeschafft!)
Also, wir Ihr seht geht uns sehr gut hier! Ich hoffe, Euch geht es allen auch soweit gut und ich verbleibe mit den herzlichsten Gruessen, bis zum naechsten Bericht!
von David
